Pferdemarkt in Creglingen

In den vergangenen Wochen bewiesen die Schülerinnen und Schüler des Schulverbundes Creglingen wieder einmal, dass auch ehrwürdige Philosophen der Antike nicht unbedingt immer Recht haben. Uns allen ist sicher der Ausspruch Senecas bekannt: „Nicht für das Leben, sondern für die Schule lernen wir.“ Er beklagte damit den Umstand, dass die Erziehung zu sehr auf vermeintlich überflüssigen Unterrichtsstoff und die Jagd nach guten Zensuren ausgerichtet sei. Er dagegen wünschte sich, dass auch das „wahre“ Leben mit seinen ganz eigenen Anforderungen den Weg in die Klassenzimmer finden sollte.

Wer am vergangenen Pferdemarkt nun sah, wie ganze Klassen gemeinsam mit ihren Lehrkräften zu Wagenbauarchitekten, Schulgastronomen, Straßenkünstlern, Kostümbildnern, Festzugsdiscjockeys oder Lotteriefachkräften mutierten, bemerkte schnell, dass der Unterricht hier in viel umfassenderer Form stattgefunden hatte. 

Schon Wochen vor dem wohl wichtigsten Festtag in Creglingen wurde in den Schulgebäuden besprochen, geplant, gezimmmert, gestrichen und genäht, um den Gästen aus nah und fern nach zwei Jahren erzwungener Untätigkeit wieder den ganz eigenen Charme des Pferdemarktes bieten zu können. 

Und tatsächlich überzeugte die ganze Schulgemeinde des Schulverbundes alle Angereisten. Eltern, Schüler und Lehrkräfte und alle Schulangestellten verwandelten für einen Tag ein nüchtern-sachliche Turnhalle zu einem munteren Schulcafé, das zum Verzehr von mehr als 150 Kuchen und Torten einlud. Zeitgleich bereicherten die Schulgruppen den Festumzug mit ihren einfallsreichen, bunten und lebensfrohen Fuß- und Wagengruppen. 

Kurz und gut kann getrost festgehalten werden, dass der diesjährige Pferdemarkt Anlass war, in der Schule für das Leben zu lernen und damit auch die Gesellschaft auf vielfältige Weise zu bereichern.